{"id":580,"date":"2009-04-02T10:00:00","date_gmt":"2009-04-02T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kdm.akbild.ac.at\/?p=580"},"modified":"2024-03-29T17:34:33","modified_gmt":"2024-03-29T17:34:33","slug":"artist-talk-marion-porten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kdm.akbild.ac.at\/?p=580","title":{"rendered":"Artist Talk: Marion Porten"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"height:8px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Thur 02.04.09 | 11:00<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sentiment is for Audiences (Marion Porten 2008, A\/D, 29.00 min.)<br><\/strong>Filmpr\u00e4sentation und Gespr\u00e4ch mit Marion Porten zu ihrer neuen Arbeit. Im Mittelpunkt des Films steht ein black man in black face*; &#8211; gespielt von einem deutschsprachigen, wei\u00dfen und ungeschminkten Schauspieler. Grundlage der Arbeit ist das Theaterst\u00fcck \u201aStar of the Morning\u2019 (1961) des afroamerikanischen B\u00fchnenautors Loften Mitchell. Das St\u00fcck portraitiert das Leben des ber\u00fchmten afroamerikanischen B\u00fchnen- und Stummfilm Schauspielers Bert Williams, sein Kampf um W\u00fcrde und Selbstverwirklichung in den USA am Ende des 19. Jahrhunderts.<br>*(Begriff des 19.Jhts., ein afroamerikanischer Schauspieler in schwarzer Maske)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>HINTERGRUND<\/strong><br>\u201cDie urspr\u00fcnglichen Black Minstrel* Performances dienten nicht nur als Unterhaltung f\u00fcr schwarze Sklaven, sondern machten ihr Leben ertr\u00e4glicher, da in den St\u00fccken die Schl\u00fcsselfigur im System ihrer Unterdr\u00fcckung \u2013 die Figur des wei\u00dfen Sklavenbesitzers \u2013 mittels Satire und komischer Ironie l\u00e4cherlich gemacht wurde. Fahrende wei\u00dfe Komiker, die auf ihren Reisen die Lieder, T\u00e4nze und Pantomime der Plantagensklaven gesehen hatten, \u00fcbernahmen, vulgarisierten und eigneten sich Elemente dieser Kunstform an, um schlie\u00dflich Minstrel Shows f\u00fcr ein ausschlie\u00dflich wei\u00dfes Publikum zu schaffen. Die Schauspieler schw\u00e4rzten ihre Gesichter mit verru\u00dfter Korkrinde und zogen krause Per\u00fccken an. Die symbolische Sprache und satirische Komponente des Vorbildes wurden ignoriert, w\u00e4hrend afroamerikanische Traditionen verzerrt dargestellt wurden, was bald in der Bildung eines beliebten<br>Stereotyps resultierte. 1865, nach dem amerikanischen B\u00fcrgerkrieg und der Abschaffung der Sklaverei, wurde die erste ausschlie\u00dflich aus Afroamerikanern bestehende Minstrel Truppe gegr\u00fcndet. (\u2026) Auch diese Gruppe schw\u00e4rzte sich wie ihre wei\u00dfen Gegenspieler das Gesicht \u2013 das Ph\u00e4nomen von afroamerikanischen Schauspielern, die sich in Blackface maskierten war entstanden. Als in den 1860er Jahren afroamerikanische Black Face Minstrels begannen aufzutreten, waren die zuvor von wei\u00dfen Schauspielern entwickelten Stereotypen bereits so festgefahren, dass die afroamerikanischen<br>Performer dazu gezwungen waren, diese einzuhalten, um gen\u00fcgend Erfolg beim Publikum zu erreichen. So trugen sie ebenfalls Kraushaarper\u00fccken, malten sich grotesk gro\u00dfe Lippen ins Gesicht und schw\u00e4rzten mit Korkrinde ihre Haut.\u201d<br>*(aus engl. minstrel, dies \u00fcber altfr. ministrel, menestrel aus mlat. ministerialis \u201aDienstmann\u2019 \u201aDiener\u2019)<br>Beatrix Taumann, Strange Orphans,1999<\/p>\n\n\n\n<p>Das black face steht im Film als Sinnbild eines Transferprozesses, bei dem diskriminierende Umdeutungen einer Gesellschaft im Kulturfeld auf pr\u00e4gnante Weise sichtbar werden. Mit der \u00dcbersetzung in den deutschsprachigen Kultur- und Kunstkontext und einer erneuten Umformung wird der Versuch einer Auseinandersetzung mit Aneignungs- und Diskriminierungstrategien unternommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>METHODE<\/strong><br>Die H\u00e4nde und das Gesicht des Schauspielers sind ungeschminkt. Er f\u00fchrt Textpassagen des B\u00fchnenst\u00fcckes in englischer Sprache vor. Seine Aussprache ist gut verst\u00e4ndlich aber der deutsche Akzent ist deutlich zu h\u00f6ren. Der Schauspieler spricht dabei alle Rollen. Durch die Montage des Videomaterials mit Schnitt\/Gegenschnitt wird so eine dialogische Situation erzeugt. Das Spiel und das Lesen des Schauspielers bleibt immer Modell, Zitat der eigentlichen Auff\u00fchrung. Verfremdungsstrategien machen so auf die Konstruktion von Theater und gesellschaftlicher Rolle aufmerksam.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ORT<\/strong><br>Die verwendeten B\u00fchnenelemente sind Teile des Kunstwerkes \u201aDepot-St\u00fccke\u2019 der K\u00fcnstlerin Michaela Schmidlechner. In ihrer Arbeit bezieht sich Schmidlechner auf den Ort des Semperdepots, das ehemalige Kulissendepot der Wiener K. &amp; K. Hoftheater. Heute beherbergt das Geb\u00e4ude die Akademie der Bildenden K\u00fcnste Wien und ist gleichzeitig Drehort dieser Videoproduktion. Durch den funktionalen Einsatz der Skulptur als B\u00fchne, sowie der Verwendung von Textausz\u00fcgen des Theaterst\u00fcckes werden auf weiteren Ebenen die Aneignungsmechanismen im Kunstfeld verhandelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>THU 02.04.2009 | 11am<\/p>\n<p>Filmpr\u00e4sentation und Gespr\u00e4ch mit Marion Porten zu ihrer neuen Arbeit. Im Mittelpunkt des Films steht ein black man in black face*; &#8211; gespielt von einem deutschsprachigen, wei\u00dfen und ungeschminkten Schauspieler. 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