{"id":628,"date":"2010-03-08T10:00:00","date_gmt":"2010-03-08T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kdm.akbild.ac.at\/?page_id=628"},"modified":"2024-04-07T15:27:06","modified_gmt":"2024-04-07T15:27:06","slug":"ws-10-ws-11-kino-im-kopf","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kdm.akbild.ac.at\/?page_id=628","title":{"rendered":"WS 10\/11   KINO IM KOPF"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"height:4px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>KINO IM KOPF<\/p>\n\n\n\n<p><br><em>\u201cWenn ich mein authentisches inneres Verlangen auszudr\u00fccken scheine, ist das, \u201ewas ich will\u201d, mir immer schon von der patriarchalischen Ordnung auferlegt worden, die mir sagt, was ich begehren soll. Die erste Bedingung f\u00fcr meine Befreiung ist es also, aus dem Teufelskreis meines entfremdeten Begehrens auszubrechen und zu lernen, mein Begehren auf autonome Weise zu formulieren.\u201c Diese Inkonsistenz unseres Begehrens voll und ganz zu akzeptieren, voll und ganz zu akzeptieren, dass es das Begehren selbst ist, das seine eigene Befreiung sabotiert, ist die bittere Lektion von Lacan.<\/em><br>(Slavoj Zizek)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das hei\u00dft (und darauf kommt man immer wieder zur\u00fcck), der Traum eines wachen Menschen, eines Menschen, der wei\u00df, dass er tr\u00e4umt, und der deshalb wei\u00df, dass er nicht tr\u00e4umt; der wei\u00df, dass er im Kino ist, der wei\u00df, dass er nicht schl\u00e4ft: Wenn n\u00e4mlich ein Mensch, der schl\u00e4ft, ein Mensch ist, der nicht wei\u00df, dass er schl\u00e4ft, dann ist ein Mensch, der wei\u00df, dass er nicht schl\u00e4ft, ein Mensch, der nicht schl\u00e4ft.<\/em><br>(Christian Metz, Traum und Film)<\/p>\n\n\n\n<p>Im Anschluss an die in den vergangenen zwei Semestern im Rahmen von \u201cLiebe \u2013 Eine \u00dcbung\u201d behandelten Themen verschiebt sich nun in der Veranstaltungsreihe \u201cKino im Kopf\u201d der Schwerpunkt von Fragen der \u00d6konomie des Begehrens und der Konstruktion und Produktion von Gef\u00fchl an der Schnittstelle von Performativit\u00e4t, Theater und Bildender Kunst zum Thema des Verh\u00e4ltnisses von Psychoanalyse, Film und Filmtheorie.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cDer Beginn der Filmindustrie\u201d, schreibt Mechthild Zeul[1], \u201dliegt im ausgehenden 19. Jahrhundert. 1900 dreht Georges M\u00e9li\u00e8s seine Serie phantastischer Filme; im gleichen Jahr ver\u00f6ffentlicht Freud seine Traumdeutung.\u201d Somit ist die Verbindung von Psychoanalyse und Film bereits unaufl\u00f6slich in einem historischen Datum festgeschrieben \u2013 trotz Sigmund Freuds kritischer Haltung dem Kino gegen\u00fcber, der nicht nur das Angebot, als Berater des Regisseurs von Geheimnisse einer Seele, G. W. Pabst, an der Produktion des Films mitzuwirken, sondern auch Sam Goldwyns Vorschlag, gegen ein betr\u00e4chtliches Honorar ein Drehbuch zu einem Liebesfilm zu verfassen, kategorisch ablehnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Interesse der Psychoanalyse an Filmen und an der Geschichte des Kinos ist neueren Ursprungs, w\u00e4hrend die Filmtheorie (im Besonderen die feministische Filmtheorie) von Beginn an auf psychoanalytische Begrifflichkeiten, Verfahrensweisen und Erz\u00e4hlformen \u2013 sowohl in freudianischer, was die amerikanische feministische Filmwissenschaft angeht, vor allem aber in lacanianischer psychoanalytischer Tradition \u2013 zur\u00fcckgegriffen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cIm Zentrum der Hypothesen der in Freud\u2019scher Tradition stehenden psychoanalytischen Filmtheoretiker steht die Annahme einer strukturellen \u00c4hnlichkeit von Traum und Film, (\u2026), w\u00e4hrend andere Autoren die Situation des Zuschauers im dunklen Kinosaal \u2013 relative Unbeweglichkeit, Anonymit\u00e4t und Ausgeschlossenheit von den Stimuli der Au\u00dfenwelt \u2013 f\u00fcr die Erkl\u00e4rung der Herstellung regressiver traum\u00e4hnlicher Zust\u00e4nde heranziehen. Dar\u00fcber hinaus wird der Filmtechnik die M\u00f6glichkeit zuerkannt, die Realit\u00e4tspr\u00fcfung der Zuschauer zu lockern und regressive Prozesse auszul\u00f6sen.\u201d (Zeul) Aber auch \u00dcbertragungs- und Identifikationsprozesse zwischen Publikum und Filmfiguren, geschlechtsspezifische Blickkonstruktionen und Repr\u00e4sentationstheorien spielen im Rahmen filmtheoretischer Reflexionen eine bedeutende Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Veranstaltung befasst sich einerseits mit dem Versuch einer Nachzeichnung der Geschichte unterschiedlicher, zwischen freudianischen und lacanianischen Ans\u00e4tzen operierenden psychoanalytischen Filmtheorien; parallel dazu werden Filme pr\u00e4sentiert und analysiert, die sich auf psychoanalytische Verfahren st\u00fctzen, oder aber das psychoanalytische Verfahren selbst zu einem wesentlichen Element der filmischen Narration machen (Geheimnisse einer Seele, G.W.Pabst 1926; Spellbound, Alfred Hitchcock 1945; Vertigo \u2013 Aus dem Reich der Toten, Alfred Hitchcock 1958). Auch zeitgen\u00f6ssische Beispiele wie die zwischen 1997 und 2006 entstandene Trilogie von David Lynch (Lost Highway \u2013 Mullholland Drive \u2013 Inland Empire), werden unter dem Aspekt des Einflusses der Psychoanalyse auf die filmische Erz\u00e4hlung, die dramaturgische Logik und die narrative Konstruktion untersucht. Nicht zuletzt wird ein Bezug zu zeitgen\u00f6ssischer Bildender Kunst hergestellt, indem Arbeiten von K\u00fcnstlerInnen besprochen werden, die sich auf unterschiedliche Weisen mit dem Komplex der Psychoanalyse in der Geschichte des Kinos und der Kunst auseinandersetzen. Dies reicht von Werken wie Ouverture und The Sandman des kanadischen K\u00fcnstlers Stan Douglas \u00fcber die Arbeit Two Impossible Films von Mark Lewis; und nicht zuletzt wird mit der Pr\u00e4sentation einer Arbeit der deutschen K\u00fcnstlerin und Filmemacherin Angela Melitopoulos eine Verbindung zur antipsychiatrischen Bewegung der Sechzigerjahre in Frankreich hergestellt: die zuerst auf der Berlinale 2010 pr\u00e4sentierte filmische Installation Assemblages, die in Zusammenarbeit mit Maurizio Lazzarato entstand, besch\u00e4ftigt sich mit dem franz\u00f6sischen Psychoanalytiker, Philosophen und Co-Autor von Gilles Deleuze, F\u00e9lix Guattari und seiner revolution\u00e4ren psychiatrischen Praxis, seinem politischen Engagement, seine Vorstellungen \u00fcber \u201cecosophy\u201d und seinem Interesse am Animismus vor allem im brasilianischen und japanischen Kontext.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Denken Jacques Lacans wird \u2013 vermittelt durch die Interpretation und Analyse Slavoj Zizeks \u2013 versuchsweise und im Ansatz ebenso vermittelt, wie die Filmanalysen und Theorien des Begehrens, die Zizek selbst in den vergangenen zwei Dekaden in immer wieder neuen Versionen hervorgebracht hat. Diese Veranstaltung wird im Sommersemester 2011 fortgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>To elaborate the role of fantasy, the crucial thing is to secure the elementary distincition (which is too often collapsed) between the object of desire and the object-cause of desire. The object of desire is simply the desired object: let\u2019s say, in simple sexual terms, the person whom I desire. The object-cause of desire, on the other hand, is that which makes me desire this person. And the two are not the same. Usually, we are not even aware what was the object-cause of desire \u2013 it requires psychoanalysis to learn what, for example, made me desire this particular woman. This is something along the lines of what Freud already called the unary feature (der einzige Zug, le trait unaire) \u2013 and on which Lacan later developed a whole theory: i. e. some feature which triggers my desire in the other.<\/em> (Glyn Daly, Conversations with Zizek)<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:14px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>[1] Mechthild Zeul, \u201cBilder des Unbewussten. Zur Geschichte der psychoanalytischen Filmtheorie\u201d, in: PSYCHE. Zeitschrift f\u00fcr Psychoanalyse und ihre Anwendungen. 48. Jahrgang, November 1994.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KINO IM KOPF \u201cWenn ich mein authentisches inneres Verlangen auszudr\u00fccken scheine, ist das, \u201ewas ich will\u201d, mir immer schon von der patriarchalischen Ordnung auferlegt worden, die mir sagt, was ich begehren soll. Die erste Bedingung f\u00fcr meine Befreiung ist es also, aus dem Teufelskreis meines entfremdeten Begehrens auszubrechen und zu lernen, mein Begehren auf autonome [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-628","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kdm.akbild.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/628","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kdm.akbild.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kdm.akbild.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kdm.akbild.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kdm.akbild.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=628"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kdm.akbild.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/628\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":693,"href":"https:\/\/kdm.akbild.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/628\/revisions\/693"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kdm.akbild.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=628"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}